Unsere Zahl des Monats 02/2021: Regionale Wohlstandseffekte des Fahrzeugbaus

Das Geschäftsmodell Deutschlands basiert auf der Produktion von Exportgütern. Die Automobilindustrie gehört neben dem Maschinenbau und der Chemieindustrie zu den stärksten Exporteuren Deutschlands und ist zudem stark regional konzentriert. Auch wegen seiner Ausrichtung auf den Export gerät der starke wirtschaftliche Fokus auf den Fahrzeugbau immer wieder in die Kritik. Spätestens seit Bekanntwerden des Abgasskandals 2015 wird zudem die Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftszweigs hinterfragt.

Welchen Beitrag der Fahrzeugbau zur Wohlstandsentwicklung in den 96 Raumordnungsregionen Deutschlands hat, lässt sich aus den regionalen Lohneinkünften ableiten. Als Datengrundlage werden die Medianentgelte der Beschäftigtenhistorik der Bundesagentur für Arbeit verwendet. Kombiniert mit den regional- und branchenspezifischen Werten für die Beschäftigtenzahlen können hypothetische Lohnsummen und mit dem Ergebnis wiederum die branchenspezifischen Wachstumsbeiträge zu den Lohnsummen berechnet werden. In der Abbildung sind die errechneten Wachstumsbeiträge des Fahrzeugbaus zu den branchenübergreifenden hypothetischen Lohnsummen für jene zehn Raumordnungsregionen abgebildet, die den höchsten Beschäftigtenanteil in der Branche aufweisen. Die Wachstumsbeiträge werden für das Zeitintervall vor dem Abgasskandal (2012–2015) und danach (2015–2019) dargestellt. Zusätzlich sind die entsprechenden Beschäftigtenanteile am Ende des jeweiligen Intervalls dargestellt (2015 [&] 2019).

In fast allen Regionen fallen die Wachstumsbeiträge des Fahrzeugbaus in dem Zeitraum vor dem Abgasskandal höher aus als in dem anschließenden Intervall. So sinkt beispielsweise in Ingolstadt der Beitrag des Fahrzeugbaus zum gesamten Lohnwachstum von 50 auf 35 %. Allerdings liegt der Wachstumsbeitrag auch nach dem Abgasskandal höher als der Beschäftigtenanteil (25 %), was auf einen weiterhin positiven Effekt des Branchenfokus für die Region hindeutet. Eine ähnliche Situation stellt sich in der Raumordnungsregion Braunschweig – der Wolfsburg angehört – dar. In den übrigen Regionen ist der Wohlstandseffekt weniger eindeutig zu bewerten. Eine Ausnahme bildet Stuttgart. Hier liegt der Wachstumsbeitrag vergleichsweise konstant um 15 % bei einem Beschäftigtenanteil von rund 9 %.

Die Steigerung der hypothetischen Lohnsumme kann auf überdurchschnittliche Lohnanstiege oder einen Anstieg der Zahl der Beschäftigten zurückgehen. Die regionale Ausrichtung auf den Automobilsektor erwies sich in den letzten Jahren für viele Regionen als erfolgreiche Strategie, auch wenn der Abgasskandal vielerorts hemmend gewirkt hat. Der Fahrzeugbau leistet dabei oftmals einen überdurchschnittlichen Beitrag zu den Lohnzuwächsen. Ein Wandel des Fahrzeugbaus hat für Deutschland insgesamt und für Regionen deutliche Wirkungen. Die Kurzmitteilung „Regionale Wohlstandseffekte des Fahrzeugbaus“ gibt einen tieferen Einblick in die regionale Bedeutung der Branche. Zudem wird die Rolle der Branche für das deutsche Geschäftsmodell beleuchtet.

Weitere Beiträge der Serie „Zahl des Monats“ finden Sie hier.

Neue Themenreports, aktuelle Entwicklungen oder laufende Projekte – hier erfahren Sie es aus erster Hand