Unsere Zahl des Monats 09/2020: Corona trifft Regionen unterschiedlich – wie sieht es aus mit der Resilienz?

Mit dem Ausbruch der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 ging ein rezessiver Schock einher, der viele Unternehmen zu drastischen Maßnahmen gezwungen hat. Allein im April 2020 gingen bei der Bundesagentur für Arbeit über 600 000 Anzeigen bzgl. Kurzarbeit ein, in denen rund 8 Mio. Personen genannt wurden. Bei Auftreten eines rezessiven Schocks reagieren einzelne Regionen ad hoc unterschiedlich stark. Während einige Regionen mit starken Einbußen umgehen müssen und dementsprechend sensitiv auf den Schock reagieren, kann es andere geben, die schwächer von einem rezessiven Schock betroffen sind und dementsprechend als resistent einzustufen sind.

Für die Resistenz als Teil der Resilienz (Widerstandsfähigkeit) kann die Kurzarbeit als Orientierung für die Sensitivität einer Region auf einen Schock herangezogen werden, da sie zumindest vorrübergehend mit einem Produktionsausfall einhergeht. Außerdem ist die Kurzarbeit zeitlich begrenzt und kann eine Entlassungswelle – bei Ausbleiben einer Besserung der wirtschaftlichen Lage – nur verzögern. Im Folgenden werden daher die Personen in Anzeigen zur konjunkturellen Kurzarbeit zwischen März und Juni 2020 als Indikator für die regionale Resilienz herangezogen, welche von der Bundesagentur für Arbeit bereitgestellt werden. Um die Bedeutung in den jeweiligen Arbeitsmarktregionen abzubilden, werden die Anzeigen ins Verhältnis zu dem Nowcast der Beschäftigtenzahl aus dem Modell QMORE für das Jahr 2020 gestellt. Für den Bund und die Bundesländer können diese Zahlen unter www.qube-datenportal.de nach Branche und Beruf eingesehen werden. Für diese Auswertung werden im Folgenden jene 34 Arbeitsmarktregionen untersucht, für die die Arbeitsmarktentwicklungen im Rahmen der BMAS-Prognose projiziert werden.

Bundesweit wurden zwischen März und Juni insgesamt 12,2 Mio. Personen in Anträgen zur Kurzarbeit genannt. Dies entspricht mit rund 36 Prozent über einem Drittel der gemeldeten Beschäftigten (im Bestand). Zu diesem deutschlandweiten Durchschnittswert können die regionalen Anteile ins Verhältnis gesetzt werden, um die Betroffenheit einzuordnen. Dass diese Anteilsunterschiede nicht gleichmäßig zwischen den Arbeitsmarktregionen in Deutschland verteilt sind, ist in der Abbildung zu erkennen. Mit den Arbeitsmarktregionen Stuttgart, Ulm und Ravensburg ist vor allem der Südwesten vom hohen Anteil der Kurzarbeiter*innen und den Beschäftigten betroffen. Dagegen befinden sich im weniger industriell geprägten Nordosten der Bundesrepublik drei Arbeitsmarktregionen mit deutlichen geringen Anteilen von Kurzarbeiter*innen. Zwischen den Arbeitsmarktregionen schwanken die Verhältnisse zum Bundesniveau zwischen 0,5 und 1,5.

Die Kurzmitteilung „Regionale Resilienz – Resistenz gegen den Corona-Schock“ gibt einen tieferen Einblick in die Dimensionen der Resilienz. Zudem wird der Frage nach dem Hintergrund für diese Unterschiede nachgegangen und ein Indikator vorgestellt, der den unterschiedlichen regionalen Branchenschwerpunkten Rechnung trägt.

Weitere Beiträge der Serie „Zahl des Monats“ finden Sie hier.

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