Digitalisierung und Natürliche Ressourcen - Analyse der Ressourcenintensität des digitalen Wandels in Deutschland (DigitalRessourcen II)
Digitale Technologien sind inzwischen integraler Bestandteil des modernen Alltags: Unter Anwendung von Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) werden zuvor nicht erschließbare Effizienzpotenziale industrieller Fertigungsprozesse genutzt (Stichwort "Industrie 4.0"). Verlässliche IKT-Infrastrukturen ermöglichen die Bereitstellung und gesamtgesellschaftliche Nutzung innovativer Produkte und Dienstleistungen, welche noch vor wenigen Jahren von weiten Bevölkerungsteilen als Science-Fiction angesehen worden wären (wie bspw. Online-Beratungsangebote, Chatbots oder Kryptowährungen). Der wirtschaftliche Erfolg von Online-Handelsunternehmen und -Sharinganbietern scheint ohne Einsatz moderner IKT-Geräte und darauf aufbauender neuer Vertriebsmodelle (wie "Consumer-to-Consumer Plattformen") nicht vorstellbar.
In der Nachhaltigkeitsforschung werden unterschiedliche Ansätze diskutiert, um im Zuge dieses digitalen Wandels (unter anderem) die gesamtwirtschaftliche Ressourceneffizienz zu steigern, die Nutzungsphase unterschiedlicher Produkte (bspw. durch eine Erleichterung der Umsetzung kreislaufwirtschaftlicher Geschäftsmodelle) zu verlängern und das Volumen reparierter Geräte sowie der nach Ende des Produktlebenszyklus wiederverwendeten Rohstoffe (bspw. durch verbesserte Informationsangebote) zu erhöhen. Gleichzeitig ist allerdings beobachtbar, dass Smartphones, Laptops und vergleichbare IKT-Güter häufig bereits nach relativ kurzer Nutzungsphase durch Neuanschaffungen ersetzt werden. Dieser Aspekt der Digitalisierung ist unter Nachhaltigkeitsaspekten kritisch zu beurteilen: Für die Herstellung entsprechender Produkte werden unterschiedliche (oftmals seltene) Rohstoffe benötigt. Zudem erfolgt die energieintensive Produktion von IKT-Gütern in der Regel in weit entfernten Weltregionen. Der Einsatz fossiler Rohstoffe zur Elektrizitätserzeugung in den Herstellerländern hat daher einen wesentlichen Einfluss auf den globalen CO2-Fußabdruck der Digitalisierung in Deutschland.
Vor diesem Hintergrund zielt das Vorhaben DigitalRessourcen II auf eine ganzheitliche Betrachtung der Umweltauswirkungen des digitalen Wandels in Deutschland ab. In ausgewählten Fallstudien werden dabei für einzelne IKT-Anwendungen die direkten umweltrelevante Auswirkungen detailliert bemessen. Diese ökobilanziellen Mikro-Analysen werden um gesamtwirtschaftliche Makro- und Meso-Analysen der globalen Auswirkungen des digitalen Wandels in Deutschland ergänzt. Zentrale Bewertungsdimensionen sind dabei (unter Anlehnung an die globalen Nachhaltigkeitsziele 12 und 13 der Agenda 2023 der Vereinten Nationen) der Rohstoffkonsum sowie der globale CO2-Fußabdruck der digitalen Transformation.
Die GWS leitet das Gesamtvorhaben und verantwortet die inhaltliche Umsetzung der gesamtwirtschaftlichen Analysen. Als methodische Grundlage kann das Forschungsteam der GWS dabei auf eine multiregionale Input-Output-Modellierung der GLORIA-Datenbank zurückgreifen, welche bereits im Vorgängerprojekt DigitalRessourcen I vom GWS-Forschungsteam entwickelt wurde. Projektpartner sind das Ecologic Institut sowie das Wuppertal Institut. Das Wuppertal Institut verantwortet die ökobilanzielle Analyse ausgesuchter IKT-Anwendungen. Begleitend verantwortet das Ecologic Institut die Analyse von – sowie die darauf aufbauende Kommunikation mit - Stakeholdern und die hieraus ableitbare Identifikation von Handlungsfeldern und Politikempfehlungen.
