Weinbau bleibt trotz Umsatzrückgang und kleiner Ernte robust und exportstark

Unsere Zahl des Monats zu Silvester 2025

30.12.2025

Das Testbetriebsnetz (TBN) des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) ist die zentrale Grundlage für die wirtschaftliche Analyse der Landwirtschaft in Deutschland. Es liefert jährlich Kennzahlen zu Einkommen, Kosten und Rentabilität – auch im Weinbau, einer der wichtigsten Spezialkulturen. Die aktuellen TBN-Ergebnisse zeigen deutliche regionale Unterschiede: Die höchsten Betriebsergebnisse wurden im Jahr 2024 in der Pfalz (22,4 %), an der Mosel (20,6 %) und in Rheinhessen (19,6 %) erzielt. Diese Regionen wirtschaften effizient und generieren trotz steigender Kosten stabile Überschüsse. In Franken (15,1 %) und besonders in Württemberg (2,6 %) liegt die Rentabilität deutlich niedriger – ein Hinweis auf höhere Kostenintensität und geringere Erträge.
 


 

Die Ergebnisse des TBN weisen damit auf eine zunehmende Spreizung der Wirtschaftlichkeit zwischen den Regionen hin. Zu den Einnahmen zählen Umsätze aus der Kernproduktion wie Maische, Fass- und Flaschenwein sowie Nebenerlöse aus Tourismus und Direktvermarktung, etwa durch Vinotheken, Ferienwohnungen oder Weinproben. Hinzu kommen Erlöse aus neuen Nutzungsformen im Zuge des Klimawandels, beispielsweise durch den Anbau von Oliven, Lavendel oder Weinbergpfirsichen.

Dem gegenüber stehen erhebliche Ausgaben für Material und Energie, etwa für Dünger, Pflanzenschutz, Strom, Transport und Vermarktung sowie für Personal, Abschreibungen auf Maschinen und Gebäude, Finanzierungskosten und einen kalkulatorischen Unternehmerlohn.
Die Differenz zwischen diesen Positionen ergibt das Unternehmensergebnis und damit auch die Betriebsergebnisquote, die im TBN als zentraler Maßstab für wirtschaftliche Stabilität gilt. Ein Betrieb kann seine Quote verbessern, wenn er neue Einnahmequellen erschließt, etwa durch Tourismus, Direktvermarktung oder durch eine gezielte Kostenreduktion – insbesondere bei Energie und Personal. Damit spiegelt die Betriebsergebnisquote im TBN nicht nur die reine Ertragskraft wider, sondern auch die Anpassungsfähigkeit der Weinbaubetriebe an veränderte wirtschaftliche Rahmenbedingungen.

Wichtige Erkenntnisse liefert auch der aktuelle Situationsbericht des Deutschen Bauernverbandes: Zuletzt sank das durchschnittliche Unternehmensergebnis im Weinbau 2024/2025 um 16 % auf 59.962 Euro. Ursachen sind gestiegene Energie-, Material- und Personalkosten, wechselhafte Witterung und eine schwächere Inlandsnachfrage. Der Weinbau zählt damit weiterhin zu den betriebswirtschaftlich anspruchsvolleren Sparten der Landwirtschaft.

Trotzdem geben die aktuellen Entwicklungen Anlass zu Optimismus: Nach Einschätzung des Deutschen Weininstituts (DWI) zeichnet sich der Jahrgang 2025 qualitativ durch außergewöhnlich hohe Traubenreife aus – bei gleichzeitig kleinster Ernte seit 2010. In allen 13 deutschen Anbaugebieten wird die Qualität als ausgesprochen gut bewertet. Die Traubenbeeren blieben in diesem Jahr oft kleiner, erreichten aber eine besonders hohe Aromadichte. Das Ergebnis: kleinere Erträge, aber konzentrierte, fruchtige und charaktervolle Weine.

Auch der aktuelle Monatsbericht des Statistischen Bundesamtes (Stand: Oktober 2025) zur Herstellung von Traubenwein (WZ-08 1102) zeigt trotz eines Umsatzrückgangs von 8,7 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum (Jan. bis Okt.) positive Signale. Der Auslandsumsatz mit der Eurozone stieg um über 20 % – ein deutliches Zeichen für anhaltend hohe Nachfrage im europäischen Markt. Zudem erhöhten sich die geleisteten Arbeitsstunden um 18,2 % und die Bruttolohn- und Gehaltssumme um 14,6 %, was auf stabile Beschäftigung und solide Strukturen in der Branche hinweist.


Fazit:
Trotz kleiner Ernte und steigender Kosten behauptet sich der deutsche Weinbau als qualitätsstark, international gefragt und wirtschaftlich anpassungsfähig. Mengenmäßig ein kleiner, aber in Qualität, Export und Beschäftigung bemerkenswert starker Jahrgang 2025. Weitere positive Möglichkeiten ergeben sich aus der Weiterentwicklung der Wein-Kulturlandschaft als wirtschaftlicher Faktor – nicht nur im Weinbau, sondern auch im Zusammenhang mit Gesundheits-, Bildungs-, Erlebnis- und Kulturangeboten. Hierbei könnte der Handel durch Förderung kleinteiliger, regional orientierter Versorgungs- und Erlebnisangebote gefördert werden. Kooperationen mit Weinwirtschaft, Direktvermarktern und kulturellen Einrichtungen können Frequenz und Aufenthaltsqualität erhöhen. Zum Jahreswechsel blickt auch die Sektbranche zuversichtlich auf das Silvestergeschäft, da auch die Generation Z mit ihrem bewussteren Konsum, der Vorliebe für hochwertige und alkoholfreie Sekte sowie dem Wunsch nach spontanen, authentischen Genussmomenten für einen prickelnd positiven Jahresausklang sorgt.
 


Quellen

Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) (2025): Testbetriebsnetz. www.bmel-statistik.de/landwirtschaft/testbetriebsnetz, 1110000-2024.xlsx, abgerufen am 30.12.2025.

Deutscher Bauernverband (DBV) (2025): Situationsbericht 2025/26 – Trends und Fakten zur Landwirtschaft. magazin.diemayrei.de/storage/media/1f0d5951-0cf0-6b4e-84e5-920006d215f9/DBV_SB-2025-26_compressed.pdf, abgerufen am 30.12.2025.

Deutsches Weininstitut GmbH (2025): Finale Schätzung: Kleinste Weinernte seit 2010 in Deutschland. www.deutscheweine.de/news-medien/meldungen/meldung/1559/finale-sch%C3%A4tzung-kleinste-weinernte-seit-2010-in-deutschland, abgerufen am 30.12.2025.

Frankfurter Rundschau (27.11.2015): Rotkäppchen-Mumm kassiert ab: 20 Prozent des Umsatzes in wenigen Tagen – doch Gen Z trinkt anders. www.fr.de/wirtschaft/gastwirtschaft/rotkaeppchen-mumm-macht-kasse-trotz-sinkenden-alkoholkonsums-94058662.html, abgerufen am 30.12.2025.

Statistisches Bundesamt (StBA) (2025): Industrie, Verarbeitendes Gewerbe. Statistiken des verarbeitenden Gewerbes, Beschäftigte und Umsatz der Betriebe im verarbeitenden Gewerbe: Deutschland, Monate, Wirtschaftszweige (WZ2008 2-/3-/4-Steller), 42111-0004.



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