Bio wächst, aber nicht überall gleich: Wo Deutschland im europäischen Vergleich steht
Zahl-des-Monats-Spezial zur Grünen Woche
Bioprodukte gewinnen in Deutschland seit Jahren an Beliebtheit und auch die ökologisch bewirtschaftete Fläche hat sich deutlich vergrößert. Zuletzt stockte die Entwicklung jedoch. 2024 liegt der Anteil der Ökoflächen an der landwirtschaftlich genutzten Fläche mit 11,5 % nur geringfügig über dem Vorjahresniveau (11,4 %).
Wie steht Deutschland im europäischen Vergleich da – sowohl hinsichtlich der Fläche als auch beim Bio-Einzelhandelsumsatz? Sind die Dynamiken ähnlich oder nimmt Deutschland hier eine besondere Rolle ein? Einen Vergleich der sieben EU-Länder mit den meisten Ökoflächen ermöglichen Daten des FiBL für die Jahre 2019 und 2023.
Demnach wird in Deutschland 2023 mit 1,9 Mio. ha eine deutlich kleinere Fläche ökologisch bewirtschaftet als in Spanien (3 Mio. ha), Frankreich (2,8 Mio. ha) oder Italien (2,5 Mio. ha). Mit 11,4 % der landwirtschaftlich genutzten Fläche ist der Anteil zwar etwas größer als in Frankreich (9,6 %), aber dennoch kleiner als in Spanien (12,2 %) und Italien (18,7 %).

Zwischen 2019 und 2023 ist in allen betrachteten Ländern ein Zuwachs der Ökoflächen zu verzeichnen. Sichtbar wird auch, dass dieser in Deutschland und in Österreich etwas schwächer ausfällt als in den anderen dargestellten Ländern. Die Dynamik der Umstellung verläuft je nach Land zeitlich unterschiedlich.
Beim Bio-Einzelhandelsumsatz sticht Deutschland hervor: Mit rund 16 Mrd. € liegt Deutschland 2023 deutlich vor Frankreich (12 Mrd. €). Der Abstand ist erst in den letzten Jahren gewachsen – 2019 lagen die Umsätze mit 12 Mrd. € (Deutschland) und 11,3 Mrd. € (Frankreich) noch eng beieinander. In Italien (3,9 Mrd. €) und Spanien (2,75 Mrd. €) ist der Bio-Umsatz deutlich geringer, obwohl dort größere Flächen ökologisch bewirtschaftet werden und die Bevölkerungszahlen mit 59 Mio. bzw. 48 Mio. Einwohner:innen ebenfalls hoch sind. Diese Länder zählen zu den wichtigen Exporteuren von Bio-Erzeugnissen, während Deutschland einen großen Teil seines Bedarfs über Importe deckt. Je nach Erzeugnis bestehen eigenständige Märkte: Gemüse wie Gurken oder Tomaten wird oft aus Spanien importiert, während Produkte aus Drittländern – etwa Kaffee, Kakao oder Bananen – häufig als Rohstoffe importiert und zum Teil in Deutschland weiterverarbeitet werden, wodurch zusätzliche Wertschöpfung im Inland entsteht.
Im Umfeld der Internationalen Grünen Woche in Berlin, die als wichtige Plattform für den Dialog zwischen Landwirtschaft, Politik und Verbraucher:innen gilt, rückt das Thema Ökolandbau besonders in den Fokus. Das anhaltend hohe Nachfragepotenzial nach Bioprodukten in Deutschland – sichtbar in den Umsätzen des Bio-Einzelhandels – schafft grundsätzlich günstige Voraussetzungen für eine weitere Ausweitung der Ökoproduktion. Gleichzeitig bestehen politische Regulierungen und auch regionale Unterschiede in Boden- und Klimabedingungen, die Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit beeinflussen. Flächenanteil und Marktentwicklung stehen dabei nicht in einem direkten Zusammenhang, liefern jedoch gemeinsam aufschlussreiche Hinweise auf Struktur, Dynamik und Handelsverflechtungen des nationalen Biomarktes.
Eine gezielte Nutzung des inländischen Potenzials kann helfen, die Nachfrage zunehmend durch heimische Bio-Erzeugnisse zu bedienen und regionale Wertschöpfungsketten zu stärken. Zugleich ist eine europäische Perspektive unverzichtbar: Unterschiedliche Produktionsbedingungen, klimatische Herausforderungen und gemeinsame Nachhaltigkeitsziele machen eine abgestimmte EU-Agrarpolitik und Handelskoordination erforderlich. Angesichts geopolitischer Unsicherheiten, steigender Anforderungen an Versorgungssicherheit und der Entwicklung hin zu resilienteren Ernährungssystemen gewinnt die Zusammenarbeit innerhalb Europas weiter an Bedeutung.
Die Zahlen zeigen: Der Biolandbau in Deutschland ist stark, aber ausbaufähig. Damit die hohe Nachfrage künftig stärker aus heimischer Produktion gedeckt werden kann, sind gezielte Anstrengungen gefragt. Der Weg zu resilienteren und nachhaltigeren Ernährungssystemen bleibt eine gemeinsame Aufgabe.
Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) (2024): Gemüseimporte 2024. Bonn. www.ble.de, abgerufen am 14.01.2026.
Deutscher Bauernverband (2025): Situationsbericht 2025/26 – Trends und Fakten zur Landwirtschaft. Berlin. www.situationsbericht.de, abgerufen am 14.01.2026.
Eurostat (2026): Population on 1 January by age and sex. Europäische Kommission. ec.europa.eu/eurostat/databrowser, abgerufen am 14.01.2026.
Research Institute of Organic Agriculture (FiBL): Key indicators on organic agriculture worldwide. FiBL Statistics, Frick, Schweiz, statistics.fibl.org/world/key-indicators.html, abgerufen am 14.01.2026.
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