Unsere Zahl des Monats 12/2020: RCEP – heute schon Handelsschwerpunkt

Der Abschluss des RCEP-Abkommens (Regional Comprehensive Economic Partnership) ist in Zeiten zunehmenden Protektionismus ein Statement für den Freihandel. 15 Staaten des asiatisch-pazifischen Raumes haben sich im November 2020 auf Zollsenkungen und einheitliche Regeln im Austausch von Waren und Dienstleistungen geeinigt. Auf die Länder des RCEP konzentrieren sich 30 % des Welthandels und 30 % der Weltbevölkerung. Es stellt noch vor der Europäischen Union (28 % des Welthandels) das größte Freihandelsabkommen der Welt dar. Zusammen vereinen sich 72 % des Welthandels auf diese drei Freihandelszonen.

Werden nur die Exportflüsse innerhalb und zwischen den Freihandelszonen betrachtet, so liegt der Handelsschwerpunkt in allen drei Freihandelszonen innerhalb der eigenen Handelsregion. Daneben zeigt sich, dass die RCEP-Region schon heute den Mittelpunkt des Welthandels darstellt. Die asiatische Staatengemeinschaft unterhält den größten Exportfluss mit der USMCA. Mit Abstand folgen die Exporte in die Europäische Union. Ebenso sind auch die Exportflüsse von Europa nach Asien und von Nordamerika nach Asien deutlich stärker als der Exportfluss zwischen Nordamerika und Europa.

Zukünftig dürfte die Konzentration des Welthandels in den asiatischen Raum – unter sonst gleichen Bedingungen – weiter zunehmen. Das Gewicht Europas im Welthandel dürfte langfristig sinken, der Exportfluss wird aber immer mehr in Richtung Asien gelenkt werden. Auch die USA werden sich stärker nach Asien orientieren. Die südamerikanischen Länder wie auch Afrika werden ihre Rolle im Welthandel auch langfristig kaum erhöhen können – allenfalls in einzelnen Exportgütern.

Angesichts dessen stellt sich die Frage, ob eine Stärkung der westlichen Handelsverflechtungen im Sinne der geopolitischen außenwirtschaftlichen Balance nicht eine vorteilhafte Strategie wäre.

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