Unsere Zahl des Monats 12/2019: Tourismusboom in Deutschland

Höchste Intensität an den Küsten, aber Gastgewerbe profitiert am stärksten in den Städten und in Bayern

Der Tourismus in Deutschland erfreut sich eines anhaltenden Booms, der das Gastgewerbe aktuell zu einer wichtigen Stütze des Wirtschaftswachstums in Deutschland macht. Im Beherbergungsgewerbe steigen die Übernachtungszahlen inzwischen seit zehn Jahren. Beflügelt wird dies einerseits durch geopolitische Unsicherheiten und einer erhöhten Terrorgefahr in beliebten Urlaubsländern wie u. a. in den östlichen Mittelmeerregionen sowie andererseits durch die zuletzt sehr warmen und sonnigen Sommer in Deutschland. Hiervon profitierten im Jahr 2018 in besonderem Maße die Küstenregionen an Nord- und Ostsee samt den vorgelagerten Inseln.

Die Karte zeigt die Tourismusintensität nach Bundesländern für das Jahr 2018. Sie wird gemessen in der Anzahl an Übernachtungen (Ü.) im gesamten Beherbergungsgewerbe pro 1.000 Einwohner (Tsd. EW) pro Jahr. Demnach verzeichnen die beiden nördlichen Bundesländer die höchste Tourismusintensität deutschlandweit – auch aufgrund einer sehr geringen Bevölkerungsdichte, welche bspw. in Mecklenburg-Vorpommern (MV) nur 69 EW pro qkm beträgt. In MV war die Tourismusintensität 2018 mit über 19.000 Ü. je Tsd. EW mehr als dreimal und in SH mit ca. 12.000 etwa doppelt so hoch wie im bundesweiten Durchschnitt (5.750 Ü. je Tsd. EW). Am geringsten fällt die Tourismusintensität in Nordrhein-Westfalen (ca. 2.900 Ü. je Tsd. EW) und dem Saarland (ca. 3.200 Ü. je Tsd. EW) aus, was hier aber auch auf die überdurchschnittlich hohe Bevölkerungsdichte von 530 EW je qkm (NRW) bzw. 385 EW je qkm (Saarland) im Vergleich zum Bundesdurchschnitt (230 EW je qkm) zurückzuführen ist.

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Allerdings sind die bevorzugten Unterkünfte in beiden nördlichen Bundesländern nicht die der Hotellerie, d. h. Hotels, Hotels garnis, Gasthöfe oder Pensionen (Wirtschaftszweig (WZ) 55.1), denn diese vereinen nur 31 % in SH bzw. 44 % in MV aller Übernachtungen im gesamten Beherbergungsgewerbe auf sich, während der Anteil der Hotellerie im bundesweiten Mittel bei 62 % liegt – an der Küste präferiert der Großteil der Urlauber Ferienwohnungen, -häuser o. ä. (WZ 55.2) oder Campingplätze (WZ 55.3). In den Kreisdiagrammen ist der Anteil der verschiedenen Beherbergungsformen an der Gesamtzahl der Übernachtungen abzulesen. Da der Umsatz pro Übernachtung in Unterbringungsarten mit Selbstverpflegung in der Regel geringer ausfällt und die entsprechenden Urlauber seltener in Gastronomiebetrieben essen gehen, sind die Umsatzaussichten des gesamten Gastgewerbes für diese Gästegruppen und damit der wirtschaftliche Nutzen für die Bundesländer wesentlich geringer einzustufen als jene für Hotelleriegäste.

Besonders positiv sind die Aussichten für das Gastgewerbe folglich in Regionen mit einer überdurchschnittlich hohen Tourismusintensität gekoppelt mit einem hohen Anteil der Hotellerie an den Übernachtungen. Hier nehmen die Stadtstaaten Berlin (ca. 9.000 Ü. je Tsd. EW und 84 % der Übernachtungen in der Hotellerie) und Hamburg (8.000 Ü. je Tsd. EW, 90 % Hotellerieübernachtungen) die Spitzenplätze ein. Die Großstädte profitieren neben der hohen Anzahl Geschäftsreisender von dem seit Jahren boomenden Städte- und Kulturtourismus sowie von der wachsenden Beliebtheit auch für ausländische Touristen. Dies trifft auch auf die drittgrößte deutsche Stadt München zu. Hier lag die Tourismusintensität zuletzt bei 11.600 Ü. je Tsd. EW und der Anteil an Hotellerieübernachtungen bei ca. 95 %. Aber nicht nur die Landeshauptstadt, sondern ganz Bayern verfügt mit 7.550 Ü. je Tsd. EW mit und 7.000 Ü. je Tsd. EW ohne München über eine sehr hohe Tourismusintensität – die dritthöchste nach MV und SH in einem Flächenland. Hierzu tragen neben München vor allem beliebte Urlaubsgebiete in den oberbayerischen Seen- und Alpenregionen, dem Allgäu und dem Bayerischen Wald bei. Erfreulich für das Gastgewerbe in Bayern ist der ebenfalls überdurchschnittlich hohe Anteil der Hotellerie. Dieser liegt mit 70 % aller Übernachtungen gleichauf mit Hessen so hoch wie in keinem anderen Flächenland.

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