Unsere Zahl des Monats 10/2020: Brechen gesellschaftlich notwendige Dienstleistungen auf dem Land weg?

Zur Urbanisierung des Dienstleistungsangebots

Wie kann das Angebot in den Bereichen, die für unsere Gesellschaft besonders notwendig sind, sichergestellt werden? Dies ist das Thema unseres Projekts „Gesellschaftlich notwendige Dienstleistungen sicherstellen: Ist Arbeit am Gemeinwohl attraktiv?“ (GenDis), das seit November 2019 vom Soziologischen Forschungsinstitut Göttingen (SOFI), dem Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) und der GWS durchgeführt wird.

Gesellschaftlich notwendige Dienstleistungen sind stark ortsbezogen und regionalspezifische Untersuchungen damit in diesem Zusammenhang von zentraler Bedeutung. In ländlichen Räumen bündeln sich mitunter spezifische, für die Projektfragestellung relevante Problematiken. Unsere Zahl des Monats dokumentiert, dass sich in den Branchen gesellschaftlich notwendiger Dienstleistungen tatsächlich erkennbare Urbanisierungstendenzen zeigen. Hierzu wurden branchenbezogene Beschäftigungsdaten für alle 401 Kreisregionen in Deutschland entsprechend ihres Kreistyps (Großstadt, städtischer Kreis, ländlicher Kreis mit Verdichtungsansätzen, dünn besiedelter ländlicher Kreis) ausgewertet. Im Fokus stehen Dienstleistungen, die als besonders gesellschaftlich relevant gelten können, wie in der GWS-Kurzmitteilung 2020/03 definiert.

Am stärksten tritt die Urbanisierung in den Dienstleistungen im Bereich der Erziehung und des Unterrichts zu Tage, die vermehrt in kreisfreien Großstädten und städtischen Kreisen angeboten werden, wie die Abbildung illustriert: 46 % der Beschäftigung dieser Dienstleistungen findet in den Großstädten statt, während der Durchschnittswert aller Branchen hier bei nur 36 % liegt. Ähnliches trifft auf die Dienstleistungen des Gesundheitswesens zu, die sich stark auf Großstädte konzentrieren. In den vergangenen zehn Jahren wuchs das Dienstleistungsangebot in diesen Bereichen in Großstädten und städtischen Kreisen entsprechend am dynamischsten an (rechte Seite der Abbildung). In den ländlichen Räumen stagnierte das Angebot in den Dienstleistungen der Erziehung und des Unterrichts nahezu. Dort sind einzig die Dienstleistungen der öffentlichen Verwaltung und die der Heime und des Sozialwesens weiterhin relativ stark vertreten.

Vor diesem Hintergrund gewinnt die Frage, wie die Arbeit am Gemeinwohl in den ländlichen Räumen gestärkt werden kann, weiter an Relevanz. Das Projekt geht dieser Problematik mit quantitativen und qualitativen Methoden nach. Ergebnisse werden hierzu laufend veröffentlicht.

Weitere Beiträge der Serie „Zahl des Monats“ finden Sie hier.

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