Energieintensive Industrie in den Stromgebotszonen

Zahl des Monats 9/2025

29.08.2025

Weht der Wind, produzieren die Windkrafträder günstigen Strom, die Strompreise sinken und es wird mehr Strom nachgefragt – in ganz Deutschland. Da der Strom aber zu einem großen Teil in Norddeutschland produziert wird und nicht in ausreichendem Maße nach Süddeutschland geleitet werden kann, wird dort ein Teil der zusätzlichen Nachfrage durch Gaskraftwerke gesättigt, während im Norden Windanlagen abgeregelt werden. Dieser Vorgang wird als Re-Dispatch beschrieben und verursacht nach Angaben der Bundesnetzagentur jährlich Ineffizienz-Kosten von rund 2,77 Mrd. Euro. 

Die Europäische Agentur der Energieregulierungsbehörden rechnete verschiedene Szenarien (vgl. Bidding Zone Study Report) für einen effizienteren Strommarkt in Deutschland durch, um die Kosten durch ineffiziente Allokation zu reduzieren. Als effektivstes Szenario erwies sich eine Aufteilung des deutschen Strommarktes in insgesamt fünf Stromgebotszonen. Diese würde laut den Autor:innen jährliche Effizienzgewinne von bis zu 339 Mio. Euro ermöglichen. Lokale Strompreise könnten demnach die Marktmechanismen durch Preissignale verbessern und die Handelskapazitäten zu einer effizienteren Nutzung verhelfen. Eine Folge wäre allerdings auch, dass sich die Preise in den Zonen unterscheiden würden. In Schleswig-Holstein würde der Preis um fast 14 % sinken, im Süden (Bayern, Baden-Württemberg, Hessen) und Westen (Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland) steigen.

Besonders betroffen von Strompreisen ist die energieintensive Industrie, welche laut Statistischem Bundesamt für 76 % des Energieverbrauchs der Industrie steht – bei einem Beschäftigungsanteil von rund 15 %. Die Abbildung zeigt den Beschäftigungsanteil der Energieindustrie nach den fünf Stromgebotszonen sowie die erwarteten Strompreisveränderungen in Stromgebotszonen. In der türkisfarbenen Zone um Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Saarland fällt der Anteil der energieintensiven Industrien mit nahezu 22 % am höchsten aus. Hier würde sich ein Preisanstieg um rund 1 % ergeben. In der Zone Bayern, Baden-Württemberg und Hessen resultiert sogar ein Preisanstieg um 3 %. Eine Aufteilung des Strommarktes würde die Produktionskosten hier also steigern und die Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkt senken. Für den Norden würde dies ein starkes Signal für die Ansiedlung neuer Industrien bedeuten.
 

Anmerkung: Zur Vereinfachung wurde eine Unterteilung der Stromgebotszonen nach Bundesländergrenzen unterstellt. Die Werte werden für entsprechende Stromgebotszonen ausgewiesen.
Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Bidding Zone Study Report


Da die energieintensive Industrie kapitalintensiv ist und Kosten auf Abnehmerbranchen wie den Fahrzeug- und Maschinenbau überwälzt werden, zeigt der reine Blick auf die Beschäftigungsanteile nur einen Teil des Problems, zumal auch alle anderen Stromabnehmer von unterschiedlichen Preisen in Stromgebotszonen betroffen wären.

Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums will die Bundesregierung an der einheitlichen Strompreiszone festhalten und somit die Ineffizienz-Kosten vorerst in Kauf nehmen. Eine effiziente Lösung zur Senkung der Re-Dispatch-Kosten wäre der rasche Ausbau der Stromtrassen von Norden nach Süden. Ein positives Signal ist der bereits begonnene Ausbau von SuedLink im ersten Quartal 2025.
 
 

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