Unsere Zahl des Monats 09/2022: Kontinuierlicher Zuwachs an Beschäftigten in Berufen gesellschaftlich notwendiger Dienstleistungen reicht nicht aus

Gesellschaftlich notwendige Dienstleistungen (GenDis) umfassen Branchen bzw. Wirtschaftszweige, die für das Funktionieren unserer Gesellschaft unverzichtbar sind. Der Bedarf sowie die Bereitstellung dieser Dienstleistungen sollten zu jeder Zeit – insbesondere in Krisen – gedeckt sein. Der Vergleich der Wachstumsraten sozialversicherungspflichtig Beschäftigter in GenDis-Branchen mit der Gesamtwirtschaft zeigt, dass erstere über die Coronakrise hinweg weitestgehend stabil verliefen und teilweise sogar stiegen – anders als in der Gesamtwirtschaft, in der sie von Juni 2020 bis März 2021 zurückgingen.

Die positiven Wachstumsraten suggerieren die Sicherstellung gesellschaftlich notwendiger Dienstleistungen. Dies ist allerdings mit Vorsicht zu betrachten, da die Bedarfe in GenDis-Berufen steigen. Beispielsweise im Gesundheitswesen forderte die Coronakrise viele neue Beschäftigte in Test- und Impfzentren oder auch in der Verwaltung, z. B. bei der Nachverfolgung von Kontaktpersonen. Nach der Pandemie werden diese geschaffenen Stellen wieder abgebaut, worauf die sinkenden Wachstumsraten ab Juni 2021 bereits hindeuten.

Deutlich wird auch, dass die Wachstumsrate der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Nichtmedizinischen Gesundheitsberufen abnimmt. Zu dieser Berufsgruppe der Nichtmedizinischen Gesundheitsberufe zählt u. a. auch die Altenpflege. Eine abnehmende Wachstumsrate der hier sozialversicherungspflichtig Beschäftigten kombiniert mit einer alternden Gesellschaft könnte den bereits bestehenden Engpass an Altenpflegerinnen und -pflegern in Zukunft zunehmend verstärken. Engpässe sind auch in anderen GenDis-Branchen zu erwarten. Gesellschaftlich notwendige Dienstleistungen müssen attraktiver werden, um Bedarfe auch weiterhin decken zu können. Durch die Coronapandemie haben sich die Arbeitsbedingungen allerdings in vielen gesellschaftlich notwendigen Dienstleistungen verschlechtert. Beispielhaft stehen steigende Patientenzahlen in den Bereichen Gesundheit und Pflege sowie erhöhte Infektionsrisiken. Hier könnten Ansatzpunkte wie höhere Löhne, bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie die einfachere und schnellere Anerkennung ausländischer Abschlüsse bevorstehenden Engpässen entgegenwirken. Hiermit befasst sich das Projekt „Gesellschaftlich notwendige Dienstleistungen sicherstellen: Ist Arbeit am Gemeinwohl attraktiv?“ Weitere Informationen finden Sie hier.

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