Unsere Zahl des Monats 08/2021: Der ökologische Landbau

Die Klimastrategie der Bundesregierung sieht vor, den Anteil des ökologischen Landbaus in Deutschland von heute 10,3 % (2020) auf 20 % im Jahr 2030 zu verdoppeln. Dadurch sollen die Treibhausgasemissionen dieses Sektors gesenkt werden. Jährlich können so zwischen 0,4 und 1,2 Mio. t CO2-Äquivalente eingespart werden. Damit sich der Anteil des ökologischen Landbaus bis 2030 verdoppelt, müsste dieser in den nächsten zehn Jahren also durchschnittlich noch um einen Prozentpunkt pro Jahr wachsen.

Ein Blick auf die Entwicklung des ökologischen Landbaus in den letzten Jahren zeigt einen sehr positiven Trend: Seit 2015 steigt der Anteil des ökologischen Landbaus am gesamten Landbau stetig um etwa 0,8 Prozentpunkte. Vor 2015 wuchs er nur um etwa 0,2 Prozentpunkte. Das stärkere Wachstum der letzten Jahre geht mit einer höheren Gewinnmarge des ökologischen Landbaus einher. Seit 2015 liegt der Gewinn pro Hektar ökologisch genutzter Landfläche bei durchschnittlich 726 Euro – im Vergleich liegt jener für den konventionellen Landbau im selben Zeitraum bei 664 Euro. In der Abbildung ist neben dem Anteil des ökologischen Landbaus auch das Gewinnverhältnis zum konventionellen Landbau (Verhältnis des Gewinns pro Hektar Landfläche) angegeben. Zwischen 2011 und 2014 machte der Ökolandbau im Schnitt etwa 22 % weniger Gewinn pro Hektar und seit 2015 durchschnittlich 11 % mehr Gewinn pro Hektar – auch wenn der Gewinn im konventionellen Landbau 2018 und 2020 etwas höher ausfiel als im Ökolandbau. Setzt sich ein Trend höherer Gewinnmargen des Ökolandbaus in den nächsten Jahren fest, so ist es nicht unwahrscheinlich, dass der ökologische Landbau weiter stetig wächst und Wachstumsraten von einem Prozentpunkt oder sogar mehr erreicht. Der Gewinnsprung ab 2015 ist auch durch Förderprogramme der Bundesregierung begründet. Im Hinblick auf die Entwicklung der letzten Jahre scheint das Ziel, den Anteil des ökologischen Landbaus bis 2030 zu verdoppeln, also erreichbar zu sein. Vor allem dann, wenn der Ökolandbau durch weitere Förderproramme unterstützt wird.

Das Wachstum des ökologischen Landbaus geht aber auch mit Kosten einher. Gegenüber dem konventionellen Landbau fällt der Flächenertrag zum Teil drastisch geringer aus. Gleichzeitig sind die Preise für ökologisch angebaute Güter deutlich höher. Im Durchschnitt über die letzten zehn Jahre konnte der ökologische gegenüber dem konventionellen Landbau nur knapp die Hälfte des Weizenertrages pro Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche einbringen – bei gleichzeitig um 176 % höheren Preisen. Ähnliche Ertrags- und Preisverhältnisse ergeben sich für den Anbau von Gerste. Bei Kartoffeln ist der Preisunterschied mit um 338 % höheren Preisen bei ökologischem Anbau am größten – bei 34 % weniger Ertrag. Auch Zuckerrüben sind etwas mehr als doppelt so teuer, bringen aber nur 13,4 % weniger Ertrag ein. Insgesamt kann durch den zunehmenden Anteil des ökologischen Landbaus zwar CO2 eingespart werden, das Preis- und Ertragsverhältnis zeigt aber auch auf, dass neue Herausforderungen entstehen.

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