Unternehmensrückgang im Einzelhandel betrifft vor allem Kleinunternehmen
Zahl des Monats 03/2026
Sei es die zunehmende Konkurrenz aus dem Onlinehandel und von ausländischen Großunternehmen (z. B. Amazon, Shein, Temu), die Geschäftsaufgabe aufgrund fehlender Nachfolge, nachlassende Frequenzen in den Innenstädten oder Insolvenzen – die Anzahl der Unternehmen im Einzelhandel ist seit Jahren rückläufig. Das sogenannte „Ladensterben“ verläuft damit zunehmend in einen Teufelskreis: Mit steigendem Leerstand sinkt die Attraktivität der Innenstädte, was wiederum zu steigendem Leerstand führt und so das Ladensterben weiter antreibt.
Die Coronapandemie hat diese Entwicklung beschleunigt. Wie in der rechten Grafik gezeigt, waren 2019 noch rd. 320 000 Unternehmen im Einzelhandel aktiv. 2020 hat sich dieser Wert auf rd. 300 000 verringert – ein Rückgang um mehr als 6 %. 2021 wuchs die Unternehmensanzahl zwar wieder um 2,5 % an, seitdem ist sie jedoch wieder rückläufig. Viele stationäre Händler verlagerten ihr Geschäft zu dieser Zeit in den Onlinehandel, sodass die Unternehmenszahlen dort kurzfristig gestiegen sind. Während dieser Zeit konnten die Unternehmen im Onlinehandel ihre Umsätze stabilisieren, allerdings hat sich das Internetgeschäft auch zunehmend verstetigt und verlagert somit langfristig das Geschäft aus dem stationären in den Onlinehandel.
Dabei haben während und nach der Pandemie insbesondere die Insolvenzen von Großunternehmen im Einzelhandel, z. B. Peek und Cloppenburg, Garry Weber, Reno, Görtz, oder Galeria Kaufland, Aufmerksamkeit erlangt. Ein Blick in die Entwicklung der Unternehmenszahlen unterteilt nach Unternehmensgröße (linke Grafik) zeigt jedoch, dass die Zahl der Großunternehmen mit mehr als 250 Mitarbeiter:innen und mehr als 50 Mio. € Umsatz seit 2018 stets gestiegen ist. Auch mittelgroße Unternehmen mit bis zu 249 Mitarbeiter:innen und bis zu 50 Mio. € Umsatz nahmen mit Ausnahme des Jahres 2021 seit 2018 zu. Viele Kleinstunternehmen (bis 9 Mitarbeiter:innen und weniger als 2 Mio. € Umsatz) und kleine Unternehmen (bis 49 Mitarbeiter:innen und weniger als 10 Mio. € Umsatz) sind hingegen aus dem Markt geschieden.
Bemerkenswert ist dabei, dass die Unternehmensstruktur mit einem Anteil von immer noch 98 % vor allem von genau diesen Kleinst- und kleinen Unternehmen geprägt ist. Neben der Verschiebung in den Onlinehandel gibt es jedoch auch eine Verschiebung hin zu mehr Marktanteilen für Großunternehmen. Ob diese Entwicklung zu attraktiveren Innenstädten führt und der Teufelskreis gebrochen werden kann, bleibt fraglich. Fest steht aber, dass der Strukturwandel im Einzelhandel maßgeblich die kleinen Unternehmen betrifft, welche im Gegensatz zu den Großunternehmen meist still und leise aus dem Markt treten.
Weitere Beiträge der Serie „Zahl des Monats“ finden Sie hier.
