Export: Es hätte schlimmer kommen können!
Zahl des Monats 02/2026
Die Entwicklung der deutschen Wirtschaft ist nach wie vor durch die Erfolge des verarbeitenden Gewerbes auf den Exportmärkten geprägt. Nun sieht es da gerade nicht gut aus: Die USA begegnen ihren (noch) NATO-Alliierten mit Zöllen, Drohungen und innenpolitischen Einmischungen. Auch China fällt wegen merkantilistischer Politik (möglichst viel Export bei möglichst wenig Import) und gesteigerter Wettbewerbsfähigkeit als Wachstumstreiber der deutschen Exportwirtschaft aus. Zudem hat der Euro gegenüber dem Dollar deutlich aufgewertet: Während im Januar 2026 ca. 1,16 bis 1,19 Dollar pro Euro bezahlt werden müssen, waren es im Januar 2025 noch 1,03 bis 1,05 Dollar pro Euro. Allein die Aufwertung des Euros hat deutsche Waren im Dollar-Raum 13 % teurer werden lassen. Um es nicht zu verschweigen: Dadurch konnte auf den Weltmärkten natürlich auch günstiger eingekauft werden – das milderte die Inflation.
Schauen wir auf die aktuellen Zahlen: Die Top-10-Destinationen (vgl. erste Abbildung) deutscher Exporte haben in den letzten sechs Monaten (Juni bis November 2025, neueste vorliegende Zahlen) im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (Juni bis November 2024) Waren im Wert von 8,6 Mrd. Euro mehr importiert. Ihre Importe aus Deutschland der letzten zwölf Monate sind in der Abbildung dargestellt.

Die Abbildung weist ferner die Gruppe NM12 aus, welche für zwölf neue Märkte steht, die von uns als besonders vielversprechend angesehen werden. Dazu gehören die Mercosur-Länder, aber auch Staaten in Asien und Afrika. Bei genauerer Betrachtung dieser Gruppe ist allerdings festzustellen, dass ihre Bedeutung für den deutschen Export noch gering ist. Die Märkte liegen auf den folgenden Rängen, ebenfalls gemessen an den letzten zwölf Monaten: 21 – Indien, 22 – Mexiko, 23 – Brasilien, 30 – Australien, 34 – Südafrika, 39 – Singapur, 42 – Malaysia, 55 – Argentinien, 56 – Indonesien, 71 – Nigeria, 101 – Uruguay und 107 – Paraguay.
Wie ist die Dynamik im letzten Halbjahr gewesen? Um dies übersichtlich abzubilden, sind die USA und China dargestellt. Die europäischen Länder unter den Top-10-Destinationen werden zur Gruppe Europa zusammengefasst und die neuen Märkte sind in der Gruppe NM12 enthalten. Es zeigt sich (zweite Abbildung), dass Europa die durchaus signifikanten Rückgänge an Exporten Richtung USA und China kompensieren kann. Und es zeigt sich auch, dass die neuen Märkte wenigstens zurzeit noch nicht zum Wachstum des Exports in Deutschland beitragen.

Was sagt uns das? Es hätte schlimmer kommen können!
- Trotz Zöllen, Merkantilismus, zunehmender Konkurrenz und Euro-Aufwertung sind die deutschen Exporte in Euro bemessen nicht total eingebrochen.
- Europa ist ein Anker für die deutschen Exporte. Damit ist jede Stärkung der EU und unserer übrigen europäischen Partner sinnvoll.
- Noch lassen die Erfolge auf den neuen Märkten auf sich warten, sie haben aber zusammen schon heute einen höheren Beitrag als China zu den deutschen Exporten.
Vor den Akteuren in Deutschland liegen also einige Aufgaben, um die Lage zu verbessern: Die Unternehmen sind für ihre Wettbewerbsfähigkeit bezogen auf Produkte und Prozesse verantwortlich. Die privaten Haushalte könnten sich fragen, was sie so kaufen und vielleicht dem kanadischen Beispiel „Buy Canadian“ mit „Buy European + Friends“ folgen und die Politik sollte sich den Rahmenbedingungen im Inland (Energie, Bürokratie, Grundlagenforschung und deren Transfer in die Unternehmen, …) sowie Handelsabkommen widmen.
Es ist also nichts verloren – nur eben viel zu tun.
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