Unsere Zahl des Monats 01/2019: Ausblick 2019

Die GWS erwartet ein Wirtschaftswachstum zwischen 1,25 und 1,50 %.

Mit 1,50 % des preisbereinigten Inlandsproduktes hat das Jahr 2018 unter dem unteren Rand der prognostizierten Spannbreite zukünftiger Wirtschaftsentwicklung abgeschlossen, welche vor einem Jahr veröffentlicht wurde. Bedingt wurde diese schwächere Entwicklung durch außenpolitische Entwicklungen und der damit einhergehenden hohen wirtschaftlichen Unsicherheiten. Der Außenbeitrag reduzierte das preisbereinigte Wirtschaftswachstum um 0,2 Prozentpunkte. Das Jahr 2018 war vor allem durch den Handelskrieg zwischen den USA und China geprägt, aber auch der Handelsstreit der USA mit der EU schwelte weiter. Nicht förderlich war zudem das Chaos bezüglich des Ausstiegs Großbritanniens aus der EU. Aber auch hausgemachte Probleme der Automobilindustrie rund um das neue Zulassungsverfahren WLTP verursachten im Herbst 2018 merkliche Produktionseinbußen. Zudem hinterließ der ungewöhnlich heiße Sommer seine Spuren: Die Chemieindustrie musste ihre Produktion bspw. aufgrund von Niedrigwasser im Rhein runterfahren.

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Die handelspolitischen Herausforderungen des Jahres 2018 werden auch 2019 prägen. Sollten die gegenwärtigen Gespräche zwischen den USA und China zu einer Entschärfung des Handelskonfliktes führen, ist die BIP-Entwicklung am oberen Rand zu erwarten. Auch könnte ein erfolgreiches Verhandeln eines Industrieabkommens zwischen den USA und der EU zu einem „TTIP-light“ führen, welches für den deutschen Export ebenfalls positive Signale hätte. Für beides gilt aber auch ein entgegengesetztes Entwicklungspotenzial. Die Entscheidung zum BREXIT wird Ende März 2019 getroffen – ob geordnet, ungeordnet, gar nicht oder „verschoben“ ist bislang noch völlig offen. Die Unsicherheit bleibt.

Ungeachtet der außenwirtschaftlichen Unwägbarkeiten zeigt sich die Inlandsentwicklung weiterhin robust. Die private Nachfrage wird etwas weniger stark steigen. Spielräume für Investitionen und Konsum sind aber vonseiten des Staates durch den positiven Finanzierungssaldo weiterhin vorhanden. Auch die privaten Finanzierungsbedingungen sind weiterhin günstig. Manche Branchen wie z. B. die Automobilindustrie investieren kräftig, um sich dem Strukturwandel hin zu einer neuen Antriebstechnik auch angesichts neuer CO2-Vorgaben vonseiten der EU zu stellen. Neue Produktionsplattformen und Batteriezellenfabriken werden gebaut. „Digitale“ Investitionen werden zunehmen. Nicht zuletzt auch, weil in manchen Branchen immer öfter Produktionsgrenzen aufgrund von Fachkräftemangel erreicht werden.

Der Fachkräftemangel prägt Deutschland immer stärker. In manchen Regionen ist Vollbeschäftigung erreicht, Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt, offene Stellen treffen nicht auf adäquate Bewerber, die Arbeitslosen- und Erwerbslosenquote liegen auf historisch niedrigem Niveau und die Anzahl der Hartz-IV-Haushalte ist erstmalig auf unter drei Millionen gesunken. Die Bundesregierung hat sich nunmehr auf ein Fachkräftezuwanderungsgesetz geeinigt. Damit entfällt für Zuwanderer aus Nicht-EU-Staaten die bisherige Beschränkung auf Engpassberufe und die Vorrangprüfung. Hierin besteht eine Chance, der Knappheit auf dem Arbeitsmarkt entgegenzuarbeiten.

2019 wird demnach in vielerlei Hinsicht wieder ein spannendes Jahr werden. Die Bandbreite des BIP-Wachstums wird angesichts der bestehenden Unsicherheiten nach unten korrigiert und liegt nunmehr zwischen 1,25 und 1,50 %. Ausschlaggebend für diese schwächere Einschätzung ist die zwar immer noch gute, wenn auch etwas langsamer steigende Inlandsnachfrage. Der untere Rand wird v. a. durch die außenwirtschaftlichen Unsicherheiten begründet.

Das Jahr 2019 wird von den Themen Handelspolitik, Fachkräftemangel, automobiler Strukturwandel und Digitalisierung in unterschiedlichster Form geprägt sein. Themenfelder, zu denen sich die GWS auch in diesem Jahr in verschiedenen Projekten, Publikationen und auf unterschiedlichen Konferenzen äußern wird.

Gleichwohl die Prognose ein abschwächendes Wirtschaftswachstum vorsieht, ist dies kein Grund, pessimistisch in die Zukunft zu schauen. Vielmehr bedarf es einer genauen Beobachtung des ökonomischen Wandels und mutiger, zukunftsgerichteter Entscheidungen seitens des Staates und der Unternehmen.

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