Transformation der Wärmeversorgung – modellgestützte Analyse mit PANTA RHEI
In der Studie "Transformation der Wärmeversorgung – modellgestützte Analyse mit PANTA RHEI" werden die gesamtwirtschaftlichen und sektoralen Wirkungen der Wärmewende auf Basis einer Szenario-Analyse im makroökonomischen Modell PANTA RHEI analysiert. Eine aktualisierte Energiemodulstruktur wird mit einem erweiterten Investitions- und Technologie-Annahmenset für Wärmepumpen und Fernwärme verknüpft, um die quantitativen Auswirkungen auf Bruttoinlandsprodukt und sektorale Beschäftigung im Zeitraum 2030 bis 2045 abzubilden.
Die Modellerweiterungen bilden den technologischen Übergang im Gebäudesektor explizit ab: Für Wärmepumpen wird ein Stock-Flow-Ansatz implementiert, der Anlagenbestand, Austauschdynamik und jährliche Zubaugrenzen berücksichtigt. Für Fernwärme werden technologieabhängige Wärmeerzeugungspfade und Netzausbaulogiken integriert, darunter die Substitution fossiler KWK-Anlagen durch Großwärmepumpen, Geothermie und Power-to-Heat. Strom- und Wärmenachfrage werden technisch und bilanziell getrennt modelliert.
Die Analyse vergleicht zwei Transformationspfade der Wärmewende – geringe und hohe Ambition – mit einem Referenzszenario. Im Szenario hoher Ambition entstehen die stärksten Beschäftigungseffekte im Jahr 2030: Hoher Investitionsdruck, beschleunigter Wärmepumpeneinbau und intensiver Fernwärmeausbau führen zu deutlichen positiven Ausschlägen im Baugewerbe, in industriellen Vorleistungsbranchen sowie in Planung und technischen Dienstleistungen (rd. +5000 Personen ggü. Referenz).
Das Szenario geringer Ambition treten die größten Abweichungen erst 2035 auf. Die verzögerte Investitionsdynamik reduziert die Beschäftigung um rund 7000 Personen – insbesondere im Baugewerbe, in verarbeitenden Branchen sowie bei den wirtschaftlichen Dienstleistungen. Die systemischen Rückwirkungen geringerer Investitionen auf Konsum und Vorleistungsnachfrage verstärken diese Effekte. Einzelne dienstleistungsorientierte Sektoren weisen zwar positive Abweichungen auf, die aggregierten negativen Beschäftigungswirkungen werden jedoch nicht kompensiert.
Insgesamt zeigt die Analyse, dass die Wärmewende begrenzte, aber robuste sektorale Anpassungen ermöglicht und ökonomisch tragfähige Transformationspfade eröffnet, wobei sich die Transformationslasten zeitlich unterschiedlich verteilen: Hohe Ambitionen erzeugen kurzfristige Spitzen mit sektoralen Verschiebungen, führen aber zu einer früheren und stabileren sektoralen Anpassung. Geringe Ambitionen verschieben die Lasten zeitlich nach hinten und erzeugen stärkere mittelfristige Belastungen. Die zentrale systemische Differenz ergibt sich aus der Interaktion von Investitionspfad, Wärmepumpen-Kappungsgrenze und der Geschwindigkeit, mit der Fernwärmenetze dekarbonisiert und ausgebaut werden.
Die Wärmewende ist ein zentrales Handlungsfeld auf dem Weg zur Klimaneutralität. Ein ambitionierter Ausbau wirkt gesamtwirtschaftlich positiv, getragen von höheren Investitionen und der Verringerung fossiler Importe. Künftig sollen die nationalen Ergebnisse in das regionalökonomische Modell RIMES übertragen werden, um regionale Beschäftigungs-, Einkommens- und Wertschöpfungseffekte auf Kreisebene abzuleiten. Über das im Projekt „Info-EW“ entstehende Dashboard werden diese Ergebnisse dann regionalen Entscheidungsträger:innen zugänglich gemacht und damit die evidenzbasierte Weiterentwicklung lokaler und regionaler Strategien unterstützt.
Hembach-Stunden, K., Stöver, B. & Ulrich, P. (2025): Transformation der Wärmeversorgung – modellgestützte Analyse mit PANTA RHEI. GWS Discussion Paper 2025/ 2, Osnabrück.
Die Publikation ist Teil des Projektes "Info-EW: Datenbasierte Informationssysteme für kommunale Entscheidungsträger zur Abschätzung der sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen von Energiewende und Strukturwandel –Modellgestützte Analyse und Entwicklung eines Dashboards".
