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Trotz einer Entspannung in den letzten Jahren stellt das Ausmaß der Arbeitslosigkeit in Deutschland nach wie vor eine zentrale (sozial-) politische Herausforderung dar. Ein detaillierter Blick auf die Arbeitsmarktentwicklung der letzten Jahre offenbart darüber hinaus, dass es zwar zu einer Ausweitung der Beschäftigungsverhältnisse gekommen ist, das von den Beschäftigten erbrachte Arbeitsvolumen mit dieser Entwicklung jedoch nicht Schritt halten konnte. Mit anderen Worten: Ein Großteil des positiven Bildes ist auf die Ausweitung von "atypischen" Beschäftigungsverhältnissen zurückzuführen. Gleichzeitig beobachten wir in einigen Branchen zunehmende Schwierigkeiten, Arbeitskräfte mit adäquaten Qualifikationen zu finden. Der demografische Wandel wird den hieraus resultierenden Handlungsdruck auf die politischen und wirtschaftlichen Akteure weiter verschärfen.
Forschungsteam: Die sich aus diesem Kontext ergebenden wissenschaftlichen Fragestellungen sowie deren anwendungsbezogene Spiegelung in die Entscheidungsvorbereitung von Politik, Verwaltung und Wirtschaft gehören seit Anbeginn zu den Kernkompetenzen der GWS. An erster Stelle zu nennen ist die Arbeitsmarktmodellierung im Rahmen des INFORGE-Modells. Dort wird die Arbeitsnachfrage der Unternehmen differenziert nach 59 Wirtschaftszweigen erklärt und mit einem Zeithorizont von rund 20 Jahren projiziert. Direkte Einflussfaktoren auf die Arbeitsnachfrage sind die (modellendogen bestimmte) Lohnentwicklung sowie das Produktionsniveau der Branchen. Indirekt beeinflussen aufgrund der interdependenten Modellstruktur aber auch der technologische Wandel und die weltwirtschaftliche Entwicklung – um nur die wichtigsten zu nennen – die Arbeitsnachfrage der Wirtschaftsbereiche. In jüngster Vergangenheit wurde aufgrund einer verbesserten Datenverfügbarkeit aus dem EU-KLEMS-Projekt die Umstellung der Arbeitsnachfragemodellierung von einer kopfbasierten Betrachtung auf eine arbeits- volumenbasierte Erklärung möglich. Diese insbesondere für die Simulationsmöglichkeiten von arbeits- marktpolitischen Szenarien entscheidende Verbesserung wurde auf dem Input-Output-Workshop 2008 in Halle der wissenschaftlichen Öffentlichkeit vorgestellt. Im Rahmen von sozioökonomischen Erweiterungen des INFORGE-Modells beschäftigt sich die GWS darüber hinaus mit einer weitergehenden Segmentierung des Arbeitsmarktes. Im Rahmen der Sozioökonomischen Berichterstattung (www.SOEB.de ) sowie in Zusammenarbeit mit dem Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) werden sowohl auf der Angebots- wie auf der Nachfrageseite des Arbeitsmarktes die formalen Qualifikationen nach der ISCED-Gliederung berücksichtigt. Auf der Seite des Arbeitsangebotes werden ferner Altersklassen getrennt nach Geschlecht in die Modellierung einbezogen. Betrachtet man den Arbeitsmarkt in Deutschland aus einer regionalen Perspektive, so zeigen sich stark disparate Ausgangslagen und Entwicklungsperspektiven. Regionale Arbeitsmärkte, deren Erklärungs- zusammenhänge sowie die daraus ableitbare zukünftige Entwicklung stellen daher ein weiteres Analyse- und Beratungsfeld der GWS dar. Bernd Meyer Martin Distelkamp Marc Ingo Wolter Christian Lutz Anke Mönnig Thomas Drosdowski |
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